Die Epitaphien

Bei den erhaltenen Gemälden aus St. Marien handelt es sich um Stücke vom Anfang des 15. Jahrhunderts bis zur Zeit um 1594. Die 13 Bildwerke, überwiegend dem Gedächtnis Frankfurter Bürger gewidmete Epitaphien, sind gegenwärtig in der St. Gerdraudkirche zu besichtigen.

Madonna

1. Hälfte des 15. Jh.; beachtliches Kunstwerk aus der Zeit des so genannten weichen Stils, entstanden in der Folge berühmter älterer Gnadenbilder; eigenständige Komposition in der Reihe Prager Veitsdom-Madonnen; wohl Mittelbild eines Triptychons in einem Rahmen des 19. Jh.

Rosenkranzbild

Um 1520/40; der Werkstatt des Meisters des Hildesheimer Johannesaltars zugeschrieben; Epitaph der Familie Wins bis 1546 mit Darstellung der Schmerzen und Freuden Mariens in der Form des Rosenkranzes, Marienkrönung und Schutzmadonna; Stifterfamilie mit den Wappen Wins, Lunenborg, Hokemann, Sommerfeld und Schulz.

Christus am Kreuz mit Maria und Johannes

Anfang 16. Jh.; stilistisch vergleichbar dem von Dürer beeinflussten Berliner Maler Gem. Nikolaus Winkler; unter dem Kreuz die Stifterfamilie und ihre Wappen, wohl Buchholz und Kemnitz.

Christus am Ölberg

Um 1540; Epitaph inschriftlich für den in Stettin begrabenen Merten Pruckmann und seine Frau mit ihren Wappen.

Kirchhof mit betendem Ritter

Anfang 16 Jh.; Allegorie auf die Hilflosigkeit des Gewappneten, der nur unter dem Kreuz geborgen ist; der Zustand des teilzerstörten Bildes veranschaulicht den Brandschaden St. Mariens im Jahr 1945.

Die Heiligen Wolfgang und Onuphrius

Um 1520/30; durch Rundbögen in zwei ungleiche Abschnitte gegliedert, Wolfgang im bischöflichen Ornat mit Kirchenmodell. Onuphrius im Haarkleid vor Landschaften, darüber die Erscheinung des Gekreuzigten.

Mariä Himmelfahrt

1517; qualitätsvolles Werk eines vielleicht süddeutschen Malers aus dem Umkreis Bernhard Striegels; der Stifter mit seiner Hausmarke vor dem offenen Grab, begleitet von den 12 Jüngern (?) vor einer Landschaft, darüber in einer Gloriole Christus und seine Mutter umgeben von Engeln und überhöht vom Heiligen Geist und Gottvater; Rahmen mit lateinischer Inschrift.

Der ungerechte Haushalter

Um 1544; dem kurfürstlichen Homaler Michel Ribstein zugeschrieben; zentrale Szene unter einem Renaissancebogen vor einem städtischen Platz, darunter auf getrennter Tafel Bildnisse und Inschrift für Bürgermeister Jeronimus Jobst d. A. und seiner beiden Frauen, dar. Otilia Wernitz und Sohn Gregoriuus mit dem Wappen.

Heilige Dreifaltigkeit

1533; Michel Ribstein zugeschrieben; im Hauptbild die heilige Dreifaltigkeit in Wolken, darunter alt- und neutestamentalische Szenen; predellaartige Tafel mit der Stifterfamilie Albrecht. Gros und seiner Frau geb. Kemnitz mit ihrem Wappen.

Christus und der ungläubige Thomas

1552; gleichfalls Ribestein zugeschrieben; die Szene mit dem Auferstandenen und den Jüngern in einem Renaissance-Innenraum, darunter gesonderte Inschrift und Bildnisse für den kurfürstlichen Rat Dr. Melchior Wins und seine Frau Hedwig geb. Stymmel mit ihrem Wappen.

Gesetz und Evangelium

Datiert 1554; Ribestein zugeschrieben; reformatorisches Rechtfertigungsbild in der Folge Cranachs bzw. eines Holzschnitts von Geofroy Tory, als Epitaph frühe Verwendung dieses Motivs; neben alt- und neutestamentalischen Szenen Stifter Bürgermeister Christoph Wins mit seiner Frau Eva Heiland mit ihrem Wappen.

Auferweckung des Jünglings zu Nain

1555; Ribestein zugeschrieben; Szene vor imposanter Stadtkulisse, vorgelagert die Stifterfamilie Hans Schreck und Frau mit ihrem Wappen.

Christus im Gespräch mit Nikodemus

1564; gleichfalls wohl von Ribestein; Gesprächsszene im Rennaissance-Innenraum, darunter auf getrennter Tafel Inschrift und Bildnisse mit Wappen für Bürgermeister Thomas Ribe sowie seiner Frauen Anna Petersdorf und Gertrud Schulz.

Memento mori

Wohl 1579; zweiteiliges Tafelbild in gemeinsamen Renaissance-Rahmen, Mann und Frau in modischer Kleidung der Zeit vor Totengerippe, zu Füßen ein Toter im Leichentuch, darüber in einem Bildteil ein liegendes nacktes Kind.

H. Peter Rätzel